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Autorin: Martina Hoffelner

Heuer, am 27.12.2013 wird meine Spenderniere 20 Jahre alt, ein Alter das es nicht oft gibt, doch ich(wir)haben dieses Glück eine so lange und innige „Freundschaft“ zu führen. Sie ist nicht nur ein „Organ“ das in meinem Körper ist, sie ist mehr als das – eine Freundin. Klar, denkt man, wie kann man mit einem Organ „befreundet“ sein, man kann ja nix mit ihr unternehmen oder so…DOCH! Man kann viel mit ihr machen, dies ist meine persönliche Geschichte.
Am 27.12.1993, nach 4 Jahren Wartezeit kam der Anruf aus dem AKH, es sei eine passende Spenderniere für mich hier. Die Aufregung war dementsprechend groß, und meine Frage war ob diese nun wirklich passte. Den im selben Jahr, April hatte ich meine 2. NTX wo die Niere leider nicht passte. Doch diese würde mir „passen“ und sich in meinem Körper sofort an die Arbeit machen. Nun, wir verloren keine Zeit und fuhren auf dem schnellsten Wege ins AKH nach Wien, meine Mutter saß bei mir hinten. Ich war aufgeregt, weinte und hatte auch Angst. Wie würde das weitergehen? Würde diese Transplantation.
Im AKH wurde ich in einem Raum auf die (letzte)NTX vorbereitet, und mein Gedanke kurz davor war: „Nach dieser Transplantation hast du ein neues und schönes Leben! Eine neue Türe wird sich öffnen“ In der Nacht wurde ich operiert, es dauerte ca. 6 Stunden, meine Eltern warteten voller Hoffnung auf eine Nachricht. Nach einer wirklich langen Weile kam dann die erlösende Nachricht: „Die Niere funktioniert, sie hat sofort zu arbeiten begonnen“
Ab da ging es mit meinem Körper aber sowas von aufwärts. Natürlich mußte ich am Anfang mehrmals ins AKH fahren um Kontrollen zu machen, Tabletten einstellen usw. ich war noch an der Kinderdialyse wo ich von Dr.T.Müller, Dr. C. Aufricht und später Dr. Arbeiter betreut wurde. Zuerst waren es alle 14 Tage, dann alle 2-3 Monate.
Einmal stieg der Wert, das Kreatinin recht an und zwang mich stationär in Wien zu bleiben um der Ursache auf den Grund zu gehen. Blutabnahmen standen an der Tagesordnung. Dann wurde sogar auch eine Biopsie angeordnet, da wurde aus der Niere ein Gewebe entnommen um dieses auf mögliche Erkrankungen zu untersuchungen. Das war für mich einer der schrecklichsten Untersuchungen. Aber es stellte sich in späterer Folge heraus das eine Tablette schuld daran war das der Wert gestiegen war. Also hatten Niny und ich großes Glück gehabt.
Ein weiterer „Schlag“ den Niny wortwörtlich bekam war in der ersten Klasse der Hauptschule. Da ich vom Turnunterricht befreit war, war ich die Ausenseiterin in der Schule und bekam als ich in der Pause saß einen kräftigen Tritt in das Transplantat. Ich wollte es zuerst gar nicht meinen Eltern sagen, doch sie ahnten das was passiert war in der Schule. Ich erzählte es ihnen, sofort fuhren sie ins Krankenhaus wo zum Glück nur eine leichte Prellung festgestellt wurde. Ein weiteres Glück für Niny und mich.
In den folgenden Jahren tat sich auch körperlich einiges im positiven Sinne, ich aß und trank und blühte so richtig auf. Ich bekam auch Hamsterbacken, längeres und dichtes Haar durch die Nebenwirkungen der Tabletten. Mit dem Wachstum ging es leider nicht sehr schnell vorran, auch das Spritzen eines Hormons half nicht viel. So blieb ich bei einer Größe von 1,40 m, das mich heute ab und zu noch etwas stört.
10 Jahre später brachten wir eine Torte in Form eines 10ers, die wir auf die Ärzte und Schwestern der Kinderdialyse Wien aufteilten. Denn gleichzeitig ging ich dann auch auf die Station für Erwachsene NTX Patienten ins neue AKH. Das war gleichzeitig auch ein kleiner Abschied nach 10 Jahren bei der Kinderdialyse.
Niny und ich sind in den letzten Jahren sehr zusammen gewachsen, nicht nur körperlich weil sie in mir ist. Ich habe gelernt das sie ohne mein Zutun nicht meinen Körper erhalten und ich ohne ihr Zutun leben kann. Ich trinke und esse so gut und soviel es geht. Meine Niny ist jetzt für mich mehr als ein einfaches bohnenförmiges Organ. Den in der Zwischenzeit teil ich mit ihr Freud, Leid, Essen und Trinken. Ich „erzähle“ ihr was in mir vorgeht, was ich mir denke und ganz gerne wenn „wir“ entscheiden was wir gerne essen. Wenn die Werte schön sind, dann gehen „Wir“ dafür immer als Belohnung essen, das wird kurzfristig entschieden. Ob McDonalds oder Pizza, wir essen was und gerade danach lustet.
Niny kann auch „sprechen“, den sie macht sich durch Werte bemerkbar wenn es ihr nicht gut geht oder sie zuviel von den Tabletten bekommt. Ich bin jeden Tag sehr dankbar dafür das wir ein so tolles und starkes Team sind. Ich denke oft an sie und kann es nicht glauben das es bald 20 Jahr her sind seit wir „zusammengekommen“ sind. Auch habe ich ein Gewand, einen Nierenwärme für sie daheim, wenn es kalt ist dann streif ich es uns einfach drüber. Auch Gedichte hat sie von mir bekommen, das erste entstand ca. kurz vor dem 10. Jubiläum. Dieses lautet auf den Namen „Niny – mein kleiner Diamant“ und ist eines von ca 2-3 Gedichten die ich an meine Niere geschrieben habe.
Niny ist in den 20 Jahren mehr als nur ein Organ für mich geworden, sie ist meine andere Freundin. Sie ist in mir, wir arbeiten im Team, teilen uns alles was nur geht und erleben zusammen viele Sachen und sind auch unterwegs. Also man kann ja doch auch mit einer „Organfreundin“ unterwegs sein und Spaß haben! Man muß halt dazu stehen!
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