Montag, 8. Mai 2017Beim 3. Energiecamp der Holzwelt Murau am 04. & 05. Mai 2017 nahmen Experten das Thema „Energie Mobil – (E-)Mobile Herausforderungen im ländlichen Raum“ unter die Lupe und gingen unter anderem Fragen auf den Grund wie: Wohin steuert die Verkehrspolitik bis 2020? - Wie gestaltet sich die Landesstrategie in Bezug auf Elektromobilität Steiermark bis 2030? - Ist Mikromobilität eine Chance für den ländlichen Raum? - Was sind Nutzen und Chancen der E-Mobilität? Mittlerweile entwickelt sich Murau zu einem „Mini Alpach“ in Energiefragen. Von weitangereisten Studierenden bis zu Lokalmatadoren hat sich ein buntgemischtes Publikum an Interessierten beim 3. Energiecamp der Holzwelt Murau eingefunden.
Schon im März 2015 veranstaltete die Holzwelt Murau erstmalig das Energiecamp, ein Format vor allem für junge Menschen, die unter der Anleitung namhafter Experten relevante Energiefragen diskutieren und Lösungsansätze entwickeln. Stand die erste Veranstaltung unter dem Motto „Black out – ist es morgen zu spät?“ So wurde 2016 unter der Headline „Alarmstufe Rot – Klima- und Energiefragen am Weg in das Jahr 2020“ getagt.
Mit den einführenden Worten von Harald Kraxner, Holzwelt Murau, startet die erste Vortragsreihe des Energiecamp 2017. Wer allerdings mit dem Zug angereist ist, hatte bereits unterwegs die Gelegenheit am ersten Vortrag teilzunehmen. Bernhard Wallner, Betriebsleiter der Murtalbahn, berichtet über die Geschichte der Regionalbahn.
Beim ersten Themenblock ging es um Strategien, Maßnahmen und Aktivitäten im Bereich der E-Mobilität
Mag. Erich Fritz, Klima- und Energiemodellregionsmanager der Holzwelt Murau, berichtete über die Klima- und Energiemodellregion Holzwelt Murau. Diese verfolgt das Ziel, der erste österreichische energieautarke Bezirk Österreichs zu werden. Durch eine konsequente Verfolgung der Ziele, die sich die Region für eine nachhaltige Regionalentwicklung hin zur Energie-Modellregion gesetzt hat, konnten repräsentative Ergebnisse und Umsetzungen bereits erreicht werden. Schon jetzt wird im Bezirk Murau doppelt so viel Strom erzeugt wie verbraucht wird. Murau verfügt über 70 % Biomasseanteil am Wärmesektor. Denn „Klimaschäden kosten uns jährlich über 1Mrd. Euro, in den nächsten Jahren eher 4 – 5 Mrd. Euro“, so Fritz. Auch das 500 m höhergelegenen LKH Stolzalpe wird durch das Bio-Nahwärmeheizwerk Murau versorgt. Ebenso hat die Brauerei Murau auf Biomasse-Wärmeversorgung umgestellt und ist dadurch die erste Niedrigtemperatur-Brauerei Europas.
Ing. Kurt Woitischek, Stadtwerke Murau und Geschäftsführer des Murauer Energiezentrums, stellte das neue Energiezentrum für Kommunen und Betriebe vor, das sie bei der Umstellung ihrer Energieversorgung auf erneuerbare Energien unterstützt.
Beim Vortrag von Hans-Jürgen Salmhofer ging es darum wie wir unsere Mobilität gestalten und wie der Einfluss von E-Mobilität und automatisiertes Fahren auf uns wirkt. Um Landesstrategien der Elektromobilität der Steiermark bis 2030 ging es beim nächsten Vortrag von DI Dr. Peter Gspaltl.
Die weltweit größte eBike-Region „E-Bike Welt Kitzbüheler Alpen“ mit über 1.000 km Radwegen wurde von Mag. Christoph Stöckl vom Tourismusverband Kirchberg in Tirol für „E-Mobilität im Tourismus“ präsentiert.
Beim zweiten Themenblock ging es um E-Mobilität mit Emotion
Dr. Philipp Berkessy vom Projekt Spielberg zeigte am Beispiel der „E-Mobility Play Days“, dass das Thema bereits Großevents erreicht hat. Auf Berkessy folgt Mag. Dr. Gustav Oberwallner, der als Vertreter des KFZ –Handels über „Auto und Gesellschaft – Mobilität ist Emotion“ referierte. Unter anderem sprach er über das oft etwas zögerliche Verhalten der Österreicher in Bezug auf Neuerungen. Außerdem beleuchtet er die Vor- und Nachteile der E-Mobilität für den Handel und den Kunden.
Mit der Vorstellung der Best Practice Beispiele im ländlichen Raum durch die beiden Bürgermeister Dr. Peter Brandauer von der Gemeinde Werfen-Weng und DI Friedrich Ferdinand Pichler von Stanz im Mürztal endet der zweite Infoblock. Dr. Brandauer stellt das Konzept der SaMo-Card vor, mit welcher Gäste, die mit dem Bus bzw. der Bahn anreisen oder den Autoschlüssel nach der Ankunft abgeben, eine große Anzahl an Angeboten in der Gemeinde wie gratis Transportshuttle, Spaßfahrzeuge etc. nutzen können. „Unser Credo ist: Wir verbieten nicht, wir ermöglichen!“
Dem gegenüber stellt DI Pichler die Gemeinde Stanz vor, die sich noch am Beginn einer Entwicklung Richtung Zukunft befindet. Er stellt den „Kostnixladen“ vor, sowie das von der Gemeinde angemietete Elektroauto, welches als eine Art Ruftaxi für die Gemeinde fungiert.
Der dritte Themenblock beschäftigte sich mit herausragenden Start Ups im Bereich (E)-Mobilität
In der Innovations Lounge im dritten Themenblock am Energiecamp brachten Vertretern von erfolgreichen Start ups wie Jürgen Sonnleitner von Kreisel Electric sie erzeugen Akku für Elektro-Autos und stellen ihre Technologie großen Herstellern wie Mercedes Benz zur Verfügung, Fabian Gutbrod von ADD-E sie haben einen innovativen E-Antrieb für Fahrräder erfunden und Christof Fries von NEO World das Unternehmen betreibt unter anderem eine Flotte von über 50 Tesla Fahrzeugen, die Teilnehmer auf den neusten Stand der Technik und präsentierten ihre Ideen für die Zukunft der E-Mobilität.
Nach diesem intensiven Nachmittag klang der Abend bei einer gemütlichen Nachbesprechung in der Chill Out Lounge aus.
Der Freitag stand ganz im Zeichen „Die Stadt und ihre Mobilität“ und dem E-Mobilitätsparcours
Anhand vieler praktischer Beispiele schulte Arch. DI Christoph Schwarz die Sinne der Teilnehmer bei einem Spaziergang durch Murau. Themen wie die Entwicklung des Straßenbildes, die Multifunktionalität der Ausstattung, Parkraumnutzung wurden informativ und mit vielen Bildern unterlegt andiskutiert. In der Zukunft ist es bei der Gestaltung von Lebensräumen wichtig nicht die Sprache des Verkehrs, sondern die des sozialen Lebens sprechen zu lassen. Zusätzlich verwandelte sich der Platz vor dem Brauhaus in ein Test-Gelände, wo NEO World unter anderem zwei Fahrzeuge ihrer Tesla-Flotte und ADD-E E-Bikes zum Testen bereitstellen.
Bei seinen Abschlussworten war Harald Kraxner überzeugt Murau als Plattform für Zukunftskonferenzen in Energiefragen speziell für junge Leute etablieren zu können: „Vergleichbare Formate haben in der Regel viel höhere Teilnehmergebühren. Dank der Unterstützung des Landes Steiermark, des österreichischen Klima- und Energiefonds und lokaler Sponsoren können wir auch jungen Menschen die Möglichkeit bieten, an einer wirklich hochkarätig besetzten Konferenz teilzunehmen“. Auch 2018 wird es wieder spannende Themen geben verspricht Kraxner.
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