Dienstag, 20. Juni 2017Geht es nach dem bekannten österreichischen Buchautor und Wirtschaftsreformer Mag. Christian Felber, dann ist diese Frage mit einem eindeutigen JA zu beantworten. Welche Möglichkeiten wir alle haben, um den globalen Handel auf die Bedürfnisse von uns Menschen – und nicht nur an die Rendite-Erwartungen von Investoren – auszurichten, erklärte er einem interessierten Publikum im Rahmen der Buchpräsentation „Ethischer Welthandel“ letzten Dienstag im HIZ Zeltweg.
Die wichtigste Botschaft des Abends: Die Diskussion um die Themen „Freihandel und/ oder Protektionismus“ wird inhaltlich mangelhaft geführt. Weder der totale Freihandel noch die Konzentration auf „Protektionismus“ führt zu mehr Wohlstand für uns alle. Felber erachtet genau dort Freihandel für sinnvoll, wo einzelne Länder auch vergleichbare Bedingungen vorweisen können. So gibt es weltweit nur ganz wenige Länder, die unsere hohen österreichischen Arbeits- und Sozialstandards einhalten, viele österreichische Produzenten haben also im Falle von sog. „Freihandelsabkommen“ in erster Linie Nachteile - vor allem gegenüber Importbetrieben mit international „konkurrenzfähigeren“ Bedingungen. Gefährliche Folgewirkung für uns: Die Beschäftigung sinkt in Summe, da wir gleichzeitig „Sozialdumping“ importieren.
Geht es nach Felber, so wird Welthandel nicht zum Selbstzweck, sondern zum Mittel, um unsere eigentlichen Ziele zu erreichen: Die Achtung der Menschenrechte, einheitliche Arbeitsstandards, sozialer Zusammenhalt, Verteilungsgerechtigkeit, Umwelt- und Klimaschutz.
Für Staaten, die weder die zweite Menschenrechtskonvention („UN-Sozialpakt“) noch alle Kernarbeitsnormen der ILO (International Labour Organisation) ratifiziert haben, sollte auf die Möglichkeit, einen wirtschaftlichen Anreiz dazu zu bieten, nicht einfach verzichtet werden. Einer dieser Staaten ist z.B. auch die USA. Felber schlägt auch vor, dass multinationale Konzerne verpflichtend eine Gemeinwohlbilanz vorlegen müssten. Nur bei gutem Bilanzergebnis erhielten sie freien Zugang zum Weltmarkt, mit schlechterem Ergebnis steigen die Zollbarrieren. Bei mehrfacher Verletzung der Menschenrechte wird die „Lizenz zum Handeln“ entzogen.
Die Buchhandlung Morawa Judenburg hat gemeinsam mit Kraf. Das Murtal und weiteren Projektpartnern diesen Denkanreiz für unsere Region initiiert. Nach dem Vortrag wurde beim regionalen Buffet noch eine anregende Diskussion geführt. Für alle, die den Termin nicht wahrnehmen konnten: Das Buch „Ethischer Welthandel“ bietet ein „Feuerwerk“ innovativer Ideen, wie man die ideologische Doppel-Sackgasse aus Freihandel und Protektionismus verlassen kann. Es gibt Alternativen!
Text: Mag.a Silvia Hartleb
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