Montag, 30. Oktober 2017Erst seit es weltweit alljährlich zu massenhaftem Bienensterben kommt, ist die große Bedeutung von Bienen und anderen Bestäubern auch im Bewusstsein der Öffentlichkeit angekommen.
Bereits in der Roten Liste der wirbellosen Tiere aus dem Jahr 2012 wies man darauf hin, dass mehr als 52% aller Bienenarten, vom Aussterben bedroht sind!. Auch andere Tiere, wie Fliegen, Schmetterlinge, Käfer, sogar einige Vogelarten und Fledermäuse, die ihren Beitrag zur Bestäubung leisten, sind massiv bedroht und auf der Roten Liste wieder zu finden.
Doch wie kommt das? Der Rückgang der biologischen Vielfalt ist auf zahlreiche Faktoren zurückzuführen:. Diese Tiere haben eine erhebliche Schlüsselfunktion in allen terrestrischen Ökosystemen, indem sie das Leben von Pflanzen und Tieren verbinden. Man mag es sich nicht vorstellen, wie trist und arm unsere Welt und unser Leben ohne Blütenpflanzen wäre, die meisten Kultur- und Arzneipflanzen gehören zu dieser Pflanzengruppe. Diese Pflanzen benötigen jedoch bestäubende Insekten zur Fortpflanzung und für den Transport von Pollen. Im Gegenzug bieten sie reichhaltigen Nektar, Pollen, Öle und Duftstoffe.
Bereits Albert Einstein erkannte die Brisanz dieses Problems vor mehr als 70 Jahren und stellte fest: “
„Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.“
Karl Crailsheim LEBENSLAUF
Karl Crailsheim studierte Zoologie und Biochemie und erlangte 1976 sein Doktorat mit einer Dissertation über die Verdauung von Ratten und Katzen. 1988 habilitierte er sich und wurde 1997 Universitätsprofessor am Zoologischen Institut an der Universität Graz. Er war lange Jahre Studiendekan und Dekan der Naturwissenschaftlichen Fakultät und ging 2016 in Pension, um danach als wissenschaftlicher Mitarbeiter weiterhin forscherisch tätig zu sein. Zurzeit leitet er ein millionenschweres Projekt über die Gesundheit der Honigbiene (Zukunft Biene), dessen Hauptsponsor das österreichische Landwirtschaftsministerium, die Bundesländer und die BIENE ÖSTERREICH sind.
Bald nach der Erwerbung des Doktorates hatte er sich der Erforschung von Honigbienen zugewendet, die den größten Teil seiner wissenschaftlichen Arbeiten ausmachen sollten. Er setzte damit eine Tradition fort, die Mitte des 20. Jh. von dem Nobelpreisträgers Karl von Frisch in Graz begonnen wurde. Sein besonderes Interesse gilt der hohen sozialen Komplexität dieser Tiere, die für die Menschheit nicht nur der Bestäubung und der Honigproduktion wegen wichtig, sondern auch als Modell für Physiologie und Sozialverhalten von herausragender Bedeutung sind. Das Honigbienensterben, das nun seit mehr als einem Jahrzehnt die Bienenvölker der nördlichen Welthalbkugel bedroht, wurde ein weiteres Schwerpunktthema seiner Arbeitsgruppe.
Die Untersuchung der Sozialität und des Schwarmverhaltens bei Bienen führten zu Veröffentlichungen über die Strategien von Robotern, da Roboterschwärme und Bienenschwärme ähnliche Strategien nützen können.
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