Donnerstag, 8. März 2018Unternehmerinnen auf dem Vormarsch
Die Zahl der Unternehmerinnen wächst weiter stark an: Bereits 27.191 steirische Betriebe befinden sich in weiblicher Hand, das sind um 1.392 mehr als noch im Jahr zuvor – ein neuer Rekord. „Frau in der Wirtschaft“ setzt sich anlässlich des bevorstehenden Weltfrauentags für bessere Rahmenbedingungen ein. Vor allem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf steht weiterhin im Fokus: „Die Hauptlast bei Vereinbarkeit von Job und Familie liegt immer noch bei den Frauen. Hier ist nicht nur ein gesellschaftliches Umdenken notwendig, sondern auch politische Weichenstellungen“, mahnt FiW-Landesvorsitzende Adelheid Moretti.
Die Zahl der Betriebe in Frauenhand wächst auch weiterhin: Lag der weibliche Anteil bei den Unternehmensgründungen vor elf Jahren noch bei 34,6 Prozent, so ist er 2017 auf stolze 47,1 Prozent gestiegen (exklusive Personenbetreuer; mit Personenbetreuer: 65,7 Prozent). Nie zuvor wagten mehr Frauen den Schritt in die Selbstständigkeit. Damit ist der Anteil der Chefinnen in der weiß-grünen Unternehmerlandschaft im Vorjahr auf insgesamt 37,4 Prozent angestiegen (in absoluten Zahlen: 27.191 Unternehmerinnen). Im Schnitt beschäftigen diese drei unselbstständigen Mitarbeiter. „Eine tolle Entwicklung, die zeigt, dass Frauen als Unternehmerinnen auf der Überholspur sind“, freut sich die Bezirksvorsitzende von Frau in der Wirtschaft Murtal, Barbara Pirker. Das Durchschnittsalter der steirischen Unternehmerin beträgt statistisch gesehen übrigens 46,7 Jahre. Im Detail: 7,1 Prozent sind jünger als 29 Jahre, 18,7 Prozent entfallen auf die 30- bis 39-Jährigen, 32,4 Prozent sind zwischen 40 und 49 Jahre alt, 31,0 Prozent zwischen 50 und 59 Jahre sowie 10,7 Prozent älter als 60 Jahre. Den größten Frauenanteil nach Branchen verzeichnen neben den Personenbetreuern die Persönlichen Dienstleister mit insgesamt 2.382 Unternehmerinnen. In „Frauenhand“ sind aber auch viele Gastronomiebetriebe, selbiges gilt für die Kosmetik und die Fußpflege sowie den Direktvertrieb. Doch auch im Handel und in der Unternehmensberatung fassen immer mehr Frauen Fuß. Das Durchschnittsalter bei den Neugründerinnen liegt übrigens bei 42,2 Jahren.
„Es gibt in vielen Bereichen aber auch Verbesserungsbedarf“, kritisiert Pirker. Besonderes Augenmerk liegt dabei generell auf dem Abbau der Bürokratie, die für viele Unternehmerinnen eines der größten Probleme darstellt. Ebenso wichtig sieht Pirker den stärkeren Aufbau von professionellen Netzwerken: „Viele Frauen nutzen bei Fragen rund um das Unternehmen vor allem informelle Netzwerke, obwohl vor allem professionelle Netzwerke für Unternehmerinnen von größter Wichtigkeit wären.“ Darüber hinaus macht sich Pirker auch für steuerliche Begünstigungen von Büros im Wohnungsverband stark, da viele Arbeitsräumlichkeiten von Unternehmerinnen aufgrund der besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie oft im privaten Wohnbereich liegen.
Weitere Forderungen von Frau in der Wirtschaft:
- Flexible Arbeitszeiten für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Die Möglichkeit für flexiblere Arbeitszeiten sind aus Sicht von FiW ein absolutes „Muss“, um Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen.
- Mehr Frauen in der WKO: Immer mehr Frauen sind Unternehmerinnen – das muss Konsequenzen haben: Frau in der Wirtschaft will den Anteil von Funktionärinnen in den Sparten, Fachgruppen, Innungen und Gremien spürbar erhöhen. Erste Erfolge konnten bereits eingefahren werden. Seit 2005 ist der Frauenanteil in der WKO Steiermark von 11 auf 29 Prozent gestiegen (2010: 19%)
- Arbeitsräume absetzbar machen: Nicht überall lässt sich das „Arbeitszimmer“ klar abgrenzen. Gerade für Frauen, die sich entscheiden ihre Selbstständigkeit von zuhause aus auszuüben – nicht zuletzt um eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu leben - braucht es eine faire Regelung zur steuerlichen Absetzbarkeit von Arbeitsräumen.
- Entrepreneurship in den Bildungseinrichtungen stärker verankern: Wirtschafts- und Finanzunterricht muss fixer Bestandteil der Allgemeinbildung werden. FiW will mit dem Projekt „Unternehmerin macht Schule“ Schülerinnen und Schüler für eine unternehmerische Laufbahn begeistern. Unternehmertum sowie grundlegendes Wirtschafts- und Finanzverständnis müssen in die Lehr- und Ausbildungspläne integriert werden. Der „Unternehmerführerschein" und „JUNIOR – Schüler gründen Unternehmen" gelten in diesem Bereich – auch international – als Best-Practice-Projekte und sind nachhaltig in das österreichische Schulsystem zu implementieren.
- Ausbau des Kinderbetreuungsangebots: Gemäß den Barcelona-Zielen muss die Betreuungsquote der Kinder unter drei Jahren zeitnah auf 33 Prozent gesteigert werden. Dabei soll laut Frau in der Wirtschaft auch der qualitative Ausbau der Angebote beachtet werden.
- Kinderbetreuungsangebote an Pflichtschulen während der Ferienzeit: Zur Entlastung der Eltern und zur Unterstützung der Schüler soll an Pflichtschulen Ferienbetreuung angeboten werden. Diese soll so gestaltet sein, dass schulische Förderungsangebote und außerschulische Betreuungsangebote ideal aufeinander abgestimmt sind.
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