Montag, 5. September 2022Ein besonderer Festtag war am Samstagnachmittag für Oberwölz: Das Hochwasserschutzprojekt mit rund 9,3 Mill. Euro an Kostenaufwand ist abgeschlossen und nun wurde der Abschluss auch gefeiert.
In Oberwölz erinnert man sich noch gut, aber nicht gerne an die beiden Unwetter im Jahr 2011 und 2017. Große Teile des Stadtgebietes standen unter Wasser, Unmengen an Schlamm, Geröll und Holz verursachten Schäden an Häusern, Gehöften und Infrastruktur in Oberwölz bis nach Niederwölz. Oberwölz wurde zum Katastrophengebiet erklärt. Die Feuerwehren standen tagelang im Einsatz, ebenso hat die Bevölkerung in Oberwölz übermenschliches geleistet, die ärgsten Schäden wenigstens zu beseitigen. Die Hilfskräfte von Einsatzorganisationen erlebten auch Besonderes in Oberwölz: Viele Familien versorgten diese Hilfskräfte mit Jause, Getränke und Dankesworte.
Wie könne man Oberwölz sichern
Nachdem die Schäden weitgehend beseitigt waren ging man in der Stadtgemeinde, bei Bezirks- und Landesverantwortlichen daran, für die Zukunft vorzusorgen. Gemeinsam mit der Politik auf Gemeinde- Bezirks- und Landesebene wie auch der Wildbach- und Lawinenverbauung wurden Pläne erarbeitet, wie man Oberwölz vor derartigen Jahrhundertereignissen schützen könnte. Nach dem Unwetter 2017 schien die Umsetzung mehr als dringend. Wie Stefan Fieger von der Gebietsbauleitung Obersteiermark West ausführte habe sich gezeigt, dass die bestehenden Verbauungen am Schöttelbach aus den 50er und 60er Jahren nicht ausreichten, diese großen Geschiebsmengen wie 2011 aufgetreten sind zurückzuhalten. Bei der Wildbachverbauung habe man unverzüglich nach dem Ereignis 2011 mit den Planungen für die Verbauung des Schöttelbaches begonnen. Die Projektierung, Finanzierungsverhandlungen, die behördlichen Genehmigungen waren Anfang 2017 abgeschlossen, Baubeginn war Anfang April 2017 angesetzt. Am 4. August 2017 gab es wieder Unwetter mit großen Schäden in Oberwölz, am Schöttelbach waren wiederum umfangreiche Sofortmaßnahmen notwendig.
Projekt ab 2017 in Umsetzung
Im November 2017 war nun Beginn des Verbauungsprojektes Schöttelbach, ausgelegt für ein 150 Jahrhundertereignis. Das Projekt umfasste einen 1,4 km langen Gerinneausbau, 352 lm Stahlbetonmauern wurden errichtet, 383 lm Ufermauern wurden saniert und erhöht. Die Zufahrtsbrücke zum Hintereggertor wurde neu errichtet, eine Bachaustrittstelle beim Anwesen Sagmüller wurde mit einer Ufermauer beseitigt. Das Schlüsselwerk ist eine Geschiebesperre, diese soll nun Oberwölz durch Filterung und Rückhalt von Unholz schützen. 140.000 m3 Geschiebe wird hier zurückgehalten. Das Sperrenbauwerk hat eine Höhe von 12 m und eine obere Breite von 85 m. Neben dem Schöttelbach wurde auch am Zubringergerinne „Schmiedbognerbach“ das Unterlaufgerinne ausgebaut und saniert. Verbaut wurden 15.200 m3 Transportbeton mit 2.500 LKW-Transporte, 720 Tonnen Baustahl, 29.000 Tonnen Wasserbausteine und fasst 200.000 m3 an Erdmaterial bearbeitet. In 5 Jahren Bauzeit wurden für dieses Projekt rund 60.000 Arbeitsstunden und 28.000 Stunden an Großgeräten aufgewendet. Die veranschlagten Kosten von 9.5 Mill. wurden um 200.000 Euro unterschritten freut man sich in Oberwölz. 60,5 % bezahlt der Bund, Land Steiermark 16,5 % die Landesstraßenverwaltung 3 % und für die Stadtgemeinde Oberwölz blieben 20,5 % Kostenbeteiligung.
Viele Dankesworte
Zur Feier am Samstagnachmittag konnte Bgm. Hannes Schmidhofer auch NRAbg. Max Lercher, LTP Manuela Khom, Landesrat Hans Seitinger (mit Ansprachen), Kammerobmann Martin Hebenstreit, Ehrenbürger Altbgm. Siegfried Krainer sowie das Team von der Gebietsbauleitung Obersteiermark-West mit Stefan Fieger, den verantwortlichen am Baugeschehen willkommen heißen. In den Ansprachen wurde vor allem das Bemühen von Stadtgemeinde, Land und Bund hervorgehoben, über alle Parteigrenzen hinweg für Oberwölz ein Projekt umzusetzen, damit die Bewohner in Zukunft ruhig schlafen könne, wie betont wurde. Pfarrer Anton Novinscak segnete das Projekt und der MV Winklern-Oberwölz besorgte die musikalische Umrahmung.
Bildtext:
In Oberwölz fühlt man sich nun sicher vor Jahrhundertereinissen, v.l. Stefan Fieger, LR Hans Seitinger, LTP Manuela Khom, Bgm. Hannes Schmidhofer und Vizebgm. Gernot Jandl.
Text und Fotocredit: Anita Galler
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