Donnerstag, 29. September 2022Am 27.09.2022 hielt der bekannte Meteorologe und TV-Moderator Mag. Andreas Jäger im \zentrum Judenburg vor Schülern der HAK Judenburg, HTL-Zeltweg und der BAfEP Judenburg einen Vortrag zum Thema „So lösen wir das Klimaproblem“. Er sprach über die Auswirkungen der Erderwärmung „Warum 2 Grad wärmer zu viel sind“, und was die Klimakrise für die Menschheit bedeutet.
Ob es uns gefällt oder nicht, der Klimawandel ist das bestimmende Thema unserer Zeit. Den Kopf in den Sand stecken und ihn leugnen geht heute nicht mehr. Die Klimakrise bringt jetzt schon eine unübersehbare Häufung von Extremwetter-Ereignissen wie: Ungewöhnliche Hitze, Überschwemmungen und Stürme. Die katastrophalen Ausmaße für die Zivilgesellschaft werden wunderbar sichtbar gemacht und wir sehen welche Konsequenzen das bereits jetzt hat. Trotzdem dürfen wir den Mut nicht verlieren, es gibt eine Fülle von ganz konkreten Lösungen. Wir können die Zukunft unserer Kinder retten - wir müssen den Weg nur konsequent gehen, so Jäger bei seinen einführenden Worten.
Eindrucksvoll und einprägsam präsentierte Mag. Andreas Jäger Fakten und Informationen rund um den Klimawandel und dessen verheerende Folgen für uns Menschen.
Jäger ging zuerst auf den heurigen Sommer ein: Bezogen auf den Referenzzeitraum 1961–1990 gab es in diesem Sommer in ganz Österreich im Mittel um 12 % weniger Regen und die Temperatur war österreichweit um 3,3 °C höher! Extreme Sommer, in denen es wenig regnet, werden immer häufiger. Sieben der zehn heißesten Sommer seit dem Jahr 1767 entfielen auf die Jahre 2003, 2012, 2015, 2017, 2018, 2019 und 2022. Die drei weiteren Jahrhundertsommer waren 1811, 1992 und 1994. Ihr Schüler hier im Publikum kennt einen Sommer mit wochenlangen niedrigen Temperaturen nicht mehr, so Jäger. Dies führt zwangsläufig zur Frage: „Warum werden die Sommer extremer?“ Als Gründe dafür nannte Jäger: Das fehlende Schmelzwasser im Winter, da immer weniger Niederschlag in Form von Schnee vom Himmel falle, die längere Vegetationsperiode, die längeren Schönwetterperioden und damit eine höhere Verdunstung.
Es gibt immer mehr extreme Wettereignisse weltweit, wie sich gerade in diesem Jahr sehr sichtbar zeigt: Waldbrände im Mittelmeerraum, dramatische Hitzewellen in China und den USA, historische Überschwemmungen in Pakistan. Große Teile der Welt wie Australien, der pazifische Raum oder Kalifornien leiden unter so häufigen klimabedingten Katastrophen, dass man dort durchaus schon von einer Klimakatastrophe sprechen kann. Die Anzeichen der Klimakrise wurden auch am 18. August im Murtal sichtbar, als ein massiver Sturm, der nur ganz kurz gedauert hat, viele sichtbare Schäden hinterlassen hat. Auch zahlreiche weitere Wetterkapriolen, Temperaturschwankungen sind bei uns deutlich spürbar.
Die Klimakrise lässt sich nicht mehr als ein fernes, mögliches Szenario unter vielen abtun. Sie ist da und die Anzeichen, dass mehrere Kipppunkte erreicht sind, lassen uns keine Zeit, noch weiter den Klimaschutz zu verzögern. Wenn wir beispielsweise bei drei, vier Grad Erwärmung ankommen, tauen die Permafrostböden auf und setzen Kohlendioxid (CO2) und Methan (CH4) frei. Dann sind wir nur noch Passagiere und die Klimaerwärmung läuft von selbst dahin.
Bequeme Mythen gegen eine unbequeme Wahrheit
Es wird auch immer deutlicher, dass Nicht-Wissen und Desinformation eine Quelle massiver existentieller Gefahr darstellt den Klimawandel nicht ernst zu nehmen. In der extremen gesellschaftlichen Spaltung in der Klimafrage zeigt sich ein skandalöses Versagen des politischen Systems, des Bildungssystems und der Medien. Fachwissenschaftler, die in der Öffentlichkeit die Sachlage erklären wollen, sehen sich einer erdrückenden Übermacht einer professionellen Desinformations-Industrie gegenüber. Die Klimakrise lässt sich nicht mehr als ein fernes, mögliches Szenario unter vielen abtun.
Jäger ist es besonders wichtig den zahlreichen Jugendlichen im Saal den Jetstream so zu erklären, dass sie in wirklich verstehen. Denn der Jetstream, die mäandernden (schlängelnde) sogenannten Rossby-Wellen, die uns seit Menschengedenken das gemäßigte Wechsel-Klima beschert hat, zeigt seit ca. 10 Jahren starke Anomalien und bricht immer wieder völlig zusammen. Die Ausbuchtungen der Rossby-Wellen sind viel extremer ausgeprägt und wandern viel langsamer als früher, besonders wenn sie wochenlang stehen bleiben, kommt es zu Extremwetter. So hält je nach Lage der Welle der Zustrom von Polar- oder Tropenluft wochenlang an. Treffen diese bei uns zusammen, gibt es wochenlang Gewitter - egal ob Sommer oder Winter.
Empfehlenswertes Erklärvideo zum Jetstream der Kindernachrichten-Sendung ZDF logo!
Was braucht es noch?
Am Ende des Vortrages beantwortet Jäger noch Fragen der Schüler und Lehrer: Eine der Fragen einer Schülerin war, was können wir Jugendliche jetzt gegen den Klimawandel beitragen. Seine Antwort lautete: Ein ganz großer Hebel ist der Fleischkonsum, den müssen wir einschränken. Nicht nur, um dem Klimawandel zu entgegnen, sondern auch um das Artensterben zu stoppen, das vom Menschen verursacht ist. Ein weiterer wichtiger Faktor, keine Fast Fashion zu kaufen und das Reisen per Flugzeug vermeiden, da das besonders viel Kerosin benötigt.
Eine Frage eines Lehrers lautet: Wo auf der Erde ist der beste Lebensraum in Zukunft. Jägers Antwort: Es wird keinen guten mehr geben, aber es wird viele geben die nicht mehr bewohnbar sind.
Aus diesen Gebieten wird es eine große Landflucht geben, die uns wieder alle trifft!
Der Vortrag hat einmal mehr vor Augen geführt, dass wir alle zur Vermeidung des CO2 Ausstoßes beitragen müssen, um das Klima zu retten.
Fotocredit: murtalinfo
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